22.03.2022 campus-leben, veranstaltungen

Ein Jahr Recherche, ein Jahr schreiben

Kerstin Ehmer stellt ihren neuen Kriminalroman «Der blonde Hund» vor

Am Dienstag, den 22.03.2022, durften wir in einer Online-Abendveranstaltung Kerstin Ehmer, die Autorin der «Ein Fall für Spiro. Berlin in den goldenen Zwanzigern»-Reihe und den Pendragon-Verleger Günther Butkus bei uns begrüßen.
Moderiert von Marcus Riverein wurde den 75 Teilnehmer:innen der Pendragon Verlag vorgestellt und wir durften in Kerstin Ehmers neuen Kriminalroman «Der blonde Hund» reinhören.

Die Einleitung übernahm Herr Butkus mit der Vorstellung des Pendragon Verlag. Er beantwortete auch die Frage: Was macht gute Literatur aus? Für Herr Butkus sind es die Charaktere. Charaktere die so glaubwürdig und echt geschrieben sind, dass sie einen vergessen lassen, dass sie nicht echt sind. Das ist die Haupteigenschaft für ein gutes Buch. Literatur im Allgemeinen zeichne sich durch das erzählerische Schreiben aus, durch das Erschaffen der besagten Charaktere, so Butkus. Doch auch die Zeit muss passen. So spielen alle drei Romane von Kerstin Ehmer nach dem ersten Weltkrieg. Genau genommen im Jahr 1925, mitten in den goldenen Zwanzigern, alle im Abstand von rund drei Monaten.

Angefangen mit dem ersten Teil «Der weiße Affe» stellte uns Kerstin Ehmer ihre Reihe kurz vor, bevor sie uns aus dem neusten Band «Der blonde Hund» vorlas.
Jeder Band behandelt andere Schwerpunkte, die im Jahr 1925 eine wichtige Rolle spielten und die sie in ihren Büchern aufgegriffen hat. Im ersten Band waren diese vor allem das jüdische Leben, die Flucht und ihre Erfahrungen dabei. Der weiße Affe ist ein sehr diverses Buch, unter anderem ist einer der Spielorte das Institut für sexuelle Wissenschaften – hier ist übrigens auch Spiros Geliebte angestellt. Ein weiterer großer Schwerpunkt waren Expeditionen. Während des ersten Weltkrieges vergessen, erfuhren sie danach einen großen Aufschwung.

In «Die schwarze Fee», dem zweiten Band, spielt vor allem Syphilis eine Rolle. Da es Penicillin noch nicht gab konnte sich die Krankheit ausbreiten und durch ihre unterschiedlichen Krankheitsbilder war es schwer zu sagen, wer nun Syphilis hatte und wer nicht.
Auch das Straßenleben im proletarischen Leben Berlins war ein großer Schwerpunkt, denn zur damaligen Zeit spielte sich das Leben der Menschen vor allem auf der Straße ab. Viele Kinder stürzten sich von einem Abenteuer ins nächste und von einer Gefahr in die nächste. So sah das Leben 1925 in Berlin aus.

Im dritten und neusten Band «Der blonde Hund» erregt erstmals Hitler Aufregung. Damals noch eine Randerscheinung, wurde er nach seiner Freilassung von seinem Hofstaat aufgebaut, zu dem unter anderem die drei Frauen Winfried Wagner, Elsa Bruckmann und Helene Beckstein gehörten.
Viele Menschen wandten sich dem übersinnlichen zu, um ihrer allgemeinen Ratlosigkeit zu entkommen. Gleichzeitig fand die Sadomaso-Masochismus-Szene einen großen Zulauf. Wie wir im Lauf der Lesung erfuhren, waren es größtenteils ehemalige Kriegsteilnehmer und „sadistische SA-Männer“ die in der Szene Zuspruch fanden. Eine Spur führt Spiro in einen der SM-Clubs und wir mussten uns beim Hören den ein oder anderen Lacher verkneifen, um nicht zu viel zu verraten.

Von einer rasanten Fahrt durch ein Dorf, bei dem Spiro ein Huhn überfährt (nicht das erste wie uns Ehmer verraten hat), über den Nachtclub durften wir Spiro auf seiner Verbrecherjagd begleiten und mussten uns an manchen Stellen das Lachen verkneifen.

Ein spannender Sidefact sind die Kapitel-Untertitel. Diese sind echte Sternenkonstellationen, die zu dem jeweiligen genannten Tag passen. Denn obwohl die Charaktere erfunden sind, sind es die Themen der Bücher nicht. Und hinter jedem Buch steckt sehr viel Recherche, um es zeithistorisch perfekt anzupassen. Auf die Frage wie viel Recherche denn hinter den Büchern steckt, antwortete Ehmer, für ein Buch würde sie je ein Jahr recherchieren und anschließend ein Jahr schreiben.

Zum Abschluss erhielten alle Teilnehmer:innen noch ein Leseexemplar, sodass wir uns selbst mit Kommissar Spiro auf Verbrecherjagd begeben und ihn begleiten können.

An dieser Stelle möchte ich Frau Kerstin Ehmer und Herr Günther Butkus für den gelungenen Abend und die tolle Vorlesung danken.

Silke Ehmann, 222. Block

 

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